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Aufbau einer Hilfsmittelnummer – die 10-stellige HMV-Positionsnummer erklärt

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Die Hilfsmittelnummer (auch HMV-Nummer oder Positionsnummer) ist eine 10-stellige Kennung, mit der der GKV-Spitzenverband jedes gelistete Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis (HMV) eindeutig identifiziert. Aus den einzelnen Ziffern lassen sich Produktgruppe, Anwendungsort, Untergruppe und das konkrete Produkt ablesen. Wer den Aufbau kennt, findet in Sekunden die richtige Position – und versteht, warum eine Listung an einer bestimmten Stelle relevant ist.

Die Struktur im Überblick

Die Hilfsmittelnummer hat das Format PG – Anwendungsort – Untergruppe – Art – Produkt und ist immer 10 Ziffern lang. Sie wird üblicherweise mit Punkten gegliedert: PG.AO.UG.AR.PPP.

  • Stellen 1–2 (PG): Produktgruppe – z. B. 10 Gehhilfen, 18 Kranken-/Behindertenfahrzeuge, 23 Orthesen.
  • Stellen 3–4 (AO): Anwendungsort am Körper bzw. anatomischer Bezug.
  • Stellen 5–6 (UG): Untergruppe innerhalb des Anwendungsorts.
  • Stellen 7 (AR): Art des Hilfsmittels innerhalb der Untergruppe.
  • Stellen 8–10 (PPP): laufende Produktnummer des einzelnen, im HMV gelisteten Produkts.

Beispiele aus dem Verzeichnis

Anhand zweier Beispiele wird der Aufbau greifbar:

  • 10.50.04.0 001: Gehhilfe (PG 10) am Anwendungsort „Gehen“ (AO 50), Untergruppe Rollator (UG 04), Art Standardrollator (AR 0), Produkt Nr. 001.
  • 23.04.01.1 002: Orthese (PG 23) am Anwendungsort „Hand“ (AO 04), Untergruppe Handgelenkorthese (UG 01), Art aktiv stützend (AR 1), Produkt Nr. 002.

Die konkreten Bezeichnungen ergeben sich aus den jeweils gültigen Anforderungsprofilen der Produktgruppen, die der GKV-Spitzenverband veröffentlicht.

Welche Produktgruppen gibt es?

Das Hilfsmittelverzeichnis kennt über 30 Produktgruppen. Bekannte Beispiele:

  • PG 01 Absauggeräte
  • PG 03 Applikationshilfen
  • PG 10 Gehhilfen
  • PG 13 Hörhilfen
  • PG 15 Inkontinenzhilfen
  • PG 17 Hilfsmittel zur Kompressionstherapie
  • PG 18 Kranken-/Behindertenfahrzeuge
  • PG 23 Orthesen / Schienen
  • PG 25 Sehhilfen
  • PG 33 Toilettenhilfen

Daneben existieren die Pflegehilfsmittel-Produktgruppen (PG 50 ff.), die in einem separaten Pflegehilfsmittelverzeichnis geführt werden.

Abgrenzung: Hilfsmittelnummer, PZN, Verordnungsnummer

  • Hilfsmittelnummer: kennzeichnet die Listung im HMV des GKV-Spitzenverbandes.
  • PZN (Pharmazentralnummer): Identifikator für Apothekenartikel, kein Hilfsmittel-Listungssignal.
  • Verordnungsnummer / Rezept-Pos.: spezifisch zur Abrechnung der einzelnen Verordnung, nicht produktbezogen.

Warum die Hilfsmittelnummer wichtig ist

Ohne Hilfsmittelnummer ist ein Produkt für die gesetzliche Krankenversicherung nicht regulär erstattungsfähig. Krankenkassen, Sanitätshäuser und MDK orientieren sich primär an der Listung im HMV. Für Hersteller bedeutet das: ohne Nummer kein flächendeckender Marktzugang über die GKV-Versorgung.

Häufige Fragen

Wie finde ich eine Hilfsmittelnummer?

Über die Online-Datenbank des GKV-Spitzenverbandes lassen sich Produkte nach Bezeichnung, Hersteller oder Nummer recherchieren. Sanitätshäuser nutzen daneben kommerzielle Datenbanken mit identischer Datengrundlage.

Was bedeutet das Suffix „.000“ in einer Nummer?

Endet die Nummer auf .000, handelt es sich um eine Produktart-Position ohne konkretes gelistetes Produkt – ein Sammelplatzhalter, der eine Versorgungsanforderung beschreibt, aber keine konkrete Listung enthält.

Kann eine Hilfsmittelnummer geändert werden?

Die Position bleibt grundsätzlich stabil. Bei Produktänderungen wird in der Regel eine neue Nummer vergeben. Strukturreformen einer Produktgruppe können in Ausnahmefällen eine Neunummerierung auslösen.

Wie lese ich eine Hilfsmittelnummer richtig?

Stelle für Stelle: Die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Produktgruppe (PG), die nächsten zwei den Anwendungsort (AO), dann zwei Ziffern für die Untergruppe (UG), eine Ziffer für die Art (AR) und drei Ziffern für das konkrete Produkt (PPP) – in Summe zehn Stellen, übliche Schreibweise mit Punkten als Trennzeichen.

Welche Produktgruppen sind besonders relevant?

Häufig nachgefragt sind unter anderem PG 01 (Absauggeräte), PG 10 (Gehhilfen), PG 13 (Hörhilfen), PG 15 (Inkontinenzhilfen), PG 17 (Kompressionstherapie), PG 18 (Kranken- und Behindertenfahrzeuge), PG 23 (Orthesen) und PG 25 (Sehhilfen). Die maßgebliche, vollständige Liste pflegt der GKV-Spitzenverband.

Was bedeutet eine Produktart-Position ohne konkretes Produkt?

Endet die Nummer auf .000, beschreibt die Position eine Produktart als Anforderungsprofil ohne Listung eines konkreten Produkts – also ein Sammel- bzw. Strukturplatzhalter. Eine konkrete Erstattung setzt eine Listung mit konkreter Produktnummer voraus.

Verändert sich die Hilfsmittelnummer bei Produktänderungen?

Bei wesentlichen Änderungen wird in der Regel eine neue Produktnummer (PPP) innerhalb derselben Produktart vergeben. Strukturreformen einer ganzen Produktgruppe können Neunummerierungen einzelner Bereiche auslösen, sind aber selten.

Gibt es eine offizielle Suchfunktion für die Hilfsmittelnummer?

Ja. Die offizielle Online-Datenbank des GKV-Spitzenverbands erlaubt eine Suche nach Bezeichnung, Hersteller oder Nummer. Sie ist die maßgebliche Primärquelle gegenüber kommerziellen Sekundärdatenbanken.

Weiterführende Themen

Sprechen Sie mit uns über Ihr Hilfsmittel-Projekt

Sie planen die Aufnahme eines Medizinprodukts in das Hilfsmittel- oder Pflegehilfsmittelverzeichnis, möchten eine bestehende Listung pflegen oder benötigen eine Pharmazentralnummer (PZN)? Wir prüfen Ihre Ausgangslage und begleiten Sie strukturiert durch das Verfahren.

Über aid-con

aid-con ist ein in Hamburg ansässiges Beratungsingenieurbüro für die Aufnahme von Medizinprodukten in das Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelverzeichnis (HMV/PHMV) sowie für Pharmazentralnummern (PZN). Schwerpunkte: HMV-Antragsbegleitung beim GKV-Spitzenverband, MDR-Compliance, klinische Bewertung, REHADAT-Listung.

Was Sie mit aid-con erwarten dürfen →

Beispiele für die HMV-Nummer in der Praxis

Die 10-stellige Hilfsmittel­nummer wirkt zunächst kryptisch. Drei konkrete Beispiele zeigen, wie sie aufgebaut ist und was sich daraus ablesen lässt:

10.46.04.0 ___

Produktgruppe 10 Gehhilfen, Anwendungsort 46 Gehen — Stehen, Untergruppe 04 Rollatoren, Art 0 Standard­ausführung. Die letzten 3 Stellen sind die laufende Produktnummer.

17.99.01.1 ___

Produktgruppe 17 Hilfsmittel zur Kompressions­therapie, Anwendungsort 99 uneingeschränkt, Untergruppe 01 Kompressions­strümpfe, Art 1 Rundgestrick.

23.04.01.2 ___

Produktgruppe 23 Orthesen, Anwendungsort 04 Hand, Untergruppe 01 Handgelenk-Orthesen, Art 2 immobilisierend.

Häufige Klassifikations-Fallen

Anwendungsort vs. Untergruppe verwechselt

Stellen 3–4 (Anwendungsort) beschreiben den anatomischen Bezug, Stellen 5–6 (Untergruppe) das konkrete Hilfsmittel. Eine Vermischung führt zu falscher PG-Zuordnung.

Art-Stelle nicht begründet

Die Stelle 7 (Art) differenziert innerhalb der Untergruppe — z. B. „immobilisierend“ vs. „aktiv stützend“. Ohne klaren Funktions­nachweis fällt die Klassifikation.

Mehrere Varianten — eine Nummer?

Pro Variante (Größe, Farbe, Material) wird grundsätzlich eine eigene Produkt­nummer (Stellen 8–10) vergeben. Bei abweichender Funktion ggf. sogar eine andere Untergruppe.

Was Sie von aid-con bei der Klassifikation erhalten

  • Klassifikations-Empfehlung mit Begründung
  • Abgleich mit aktuellem Anforderungs­profil
  • Vergleichsanalyse zu bereits gelisteten Produkten
  • Strategie für Varianten und Familien­bildung
  • Dokumentation für die Antrag­sbegründung
  • Beratung zu Nachfolge-Listungen bei Produkt­änderungen

Häufige Fragen

Was bedeutet die 10-stellige Hilfsmittelnummer?

Die HMV-Positionsnummer ist nach dem Schema PG-AO-UG-AR-PPP aufgebaut: Produktgruppe (2) + Anwendungsort (2) + Untergruppe (2) + Art (1) + Produktnummer (3) — insgesamt 10 Stellen.

Wo finde ich die HMV-Nummer eines konkreten Produkts?

Die offizielle Liste führt der GKV-Spitzenverband. Listungen sind frei einsehbar im Hilfsmittelverzeichnis und in der REHADAT-Datenbank.

Kann ein Produkt mehrere HMV-Nummern haben?

Ja, wenn ein Produkt in unterschiedlichen Varianten oder für unterschiedliche Anwendungsorte gelistet ist. Jede Variante erhält eine eigene Produktnummer (Stellen 8–10) innerhalb der zutreffenden Untergruppe.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Klassifikation?

Typische Fehler: falsche Produktgruppe, ungenaue Zweckbestimmung, fehlende Differenzierung zwischen Anwendungsort und Untergruppe, sowie unvollständige Begründung der Art-Stelle. Eine saubere Klassifikation reduziert Rückfragen erheblich.